Netzfilter
Wenn man über Netzfilter liest oder hört, wird immer wieder mit dem Mindern von Brummen und Rauschen bei
HiFi-Anlagen konfrontiert. Moderne Netzfilter haben viel weitgreifendere Aufgaben. Gerade unsere moderne Technologie
nutzt hohe Frequenzen zum kabellosen Netzwerk (WLAN) oder für mobiles Telefonieren. Dabei entstehen unerwünschte
Effekte, die wir gerne als Elektrosmog verteufeln. Das Kabelnetz in den Wänden und auch die geerdete Wasserleitung
wirken dafür wie große Antennen und setzen uns dieser Strahlung in der heimischen Umgebung aus. Netzfilter bieten
einen effektiven Weg, die Verbreitung von Elektrosmog über das Stromnetz zu verhindern.
Netzfilter arbeiten in beide Richtungen. Im praktischen Einsatz bedeutet das, dass die Endgeräte durch einen solchen
Filter vor unnötigen Hochfrequenzen geschützt werden, auf der anderen Seite aber auch gehindert werden, die selbsterzeugten hohen
Frequenzen über das Stromnetz zu verbreiten.
Je nach Richtung der Filterwirkung werden sie als "aktive" Filter (aus dem Stromnetz zum Endgerät) oder "passive" Filter
(vom Endgerät ins Netz) unterschieden.
Ein praktisches Beispiel liefert das moderne PowerLAN. Diese Technologie
ermöglicht es, Datennetzwerke über das heimische Stromnetz aufzubauen. Dabei werden verschiedene Trägerfrequenzen von 4,5
bis 27 MHz genutzt. Auf die 50Hz unserer Wechselspannung hat das absolut keine Auswirkung. Die elektrischen Geräte funktionieren
trotz ausmodulierter Hochfrequenz unverändert. Aber jedes Kabel, dass hohe Frequenzen überträgt, wirkt auch als Antenne und
strahlt unaufhörlich in unsere Räume. Über den Grad der Gefährdung für Menschen gibt es keinen eindeutigen Nachweis. Aber ein
Netzfilter stoppt zuverlässig die Ausbreitung des Elektrosmogs.
Und hinter einem richtig dimensionierten Netzfilter ist auch absolut kein PowerLAN mehr zu finden.
Zusätzlich zur Sperrung verschiedener Frequenzen helfen Netzfilter aber auch schnelle und kurze Überspannungen abzubauen.
Die Speicherfähigkeit der Spulen und Kondensatoren nimmt die überschüssige Energie auf und gibt sie kurze Zeit später,
wesentlich abgeschwächter, dem Netz zurück.
Netzfilter können daher für folgende Aufgaben genutzt werden:
- Filtern von Störfrquenzen für empfindliche Verbraucher (HiFi-Anlagen, Guitarren-Verstärker, ...)
- gezieltes Sperren von aufmodulierten Signalen (PowerLAN)
- Überspannungsschutz kurzer Impulse
- Minderung der Ausbreitung von Elektrosmog
Aufbau von Netzfiltern
Die Netzfilter besetehen immer aus einer Kombination von Induktivitäten und Kapazitäten, die als elektronischer Tiefpass
geschaltet sind. Die gesperrte Frequenz wird durch die Dimensionierung der Spulen und Kondensatoren bestimmt.
Ein Filter, der alles, ausser unsere 50Hz Netzfrequenz, sperrt ist fast unmöglich zu realisieren, aber zum
Glück auch nicht unbedingt notwendig.

typische Schaltung eines Netzfilters
Speziell auf unser Stromnetz angewendet, müssen wir den Netzfilter in zwei Ausprägungen unterscheiden: dem Filter zwischen
den Phasen L und N sowie dem Filter zwischen einer Phase und dem Schutzleiter / Erde. Die bewährete Schutzschaltung entspricht
daher oft einer Kombination beider Filter in einer Schaltung, wie sie in der Abbildung oben dargestellt ist. Dabei enthält die
Drossel L1 zwei Spulen auf einem gemeinsamen Kern.
Dimensionierung
Der gefilterte Frequenzbereich wird im Wesentlichen durch die Dimensionierung der Drossel L1 und des Kondensators Cx bestimmt.
Je niedriger die zu filternde Frequenz ist, um so höher müssen die L1 und Cx dimensioniert werden. Dabei trifft man immer auf
technische Grenzen. Die längs-geschalteten Spulen müssen den gesamten Strom tragen. Der Querschnitt muss daher recht gross
gewählt sein. Bei hohen Windungszahlen erfordert das viel Platz, Gewicht und kostet viel Kupfer. Der parallel geschaltete Kondensator
wiederum muss die entsprechende Spannungsfestigkeit besitzen. Je nach Platzbedarf kann man im vertretbaren Rahmen die
Kapazität von Cx erhöhen um bei der Drossel L1 zu sparen.
Die Netzfilter werden durch eine Dämpfung charakterisiert. Sie ergibt sich aus dem direkten Vergleich zwischen Eingang und Ausgang
des Filters. Dieser Quotient ist ohne Einheit. Da oft große Bereiche beschrieben werden müssen, wird eine logarithmische Einteilung
in dB genutzt. Da die Dämpfung Frequenzabhängig ist, kann ein Filter nicht mit einem Wert sondern nur mit einer Frequenzkurve
beschrieben werden. Im Beispiel unten ist das Frequenzverhalten von 5 verschiedenen Netzfiltern beschrieben.

Quelle: Würth Elektronik
Netzfilterdiagramm
Eine Berechnung dieser Frequenzkurve ist durch die vielen baubedingten Nebenkapazitäten und Nebeninduktivitäten eines Filters nahezu
unmöglich. Filterhersteller messen daher nach dem kompletten physikalischen Aufbau ihren Filter durch, um diese Kurve exakt erstellen
zu können.
Praxis
Netzfilter säubern den Strom unseres Haushalts von Spannungsspitzen und aufmodulierten, hochfrequenten Signalen. Sollen diese Signale
genutzt werden, wie beim Beispiel des Power-LAN, dann darf kein Filter eingesetzt werden. Ein Netzfilter kann aber genau da eingesetzt
werden, wo diese Signale nicht mehr erwünscht sind. Das kann aus Sicherheitsgünden erfolgen, weil Elektrosmog abgebaut werden soll oder weil
sich diese Signale negativ auf andere Verbraucher auswirken.
Die Störimpulse verschiedener Geräte haben eine geringe Ausbreitung, weil der Spannungsabfall für hohe Frequenzen auf Kupferleitungen
wesentlich höher ist, als bei vergleichsweise den 50Hz unseres Wechselstroms. Filter sind immer dort notwendig, wo Störimpulse und
Datenmodulation nahe beieinander liegen.
Unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USVs) im Online-Betrieb erzeugen eine komplett neue Sinuskurve für die Stromversorgung. Sie
wirken damit immer wie ein Filter und brauchen nicht über einen weiteren Netzfilter angeschlossen werden.
Der modernste Netzfilter in diesem Shop ist der SF-Protector von Dehn+Söhne. Er ist als Zwischenstecker
ausgelegt und wird oft vor Steckdosenleisten eingebunden. Firma Dehn beschreibt die Dämpfung anhand der Referenzfrequenz von 1MHz. Dabei wird noch einmal
in den Filter zwischen den Leitern (symmetrisch) und in den Filter zwischen Leiter und Erde (asymmetrisch) unterschieden. Der SF-Protector
wird mit einer symmetrischen Dämpfung von ≥54 dB und asymmetrischen Dämpfung von ≥42 dB bei f = 1 MHz angegeben.
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