Überspannungsschutz
Die modernen Computer und Netzwerke werden nicht nur immer kleiner und empfindlicher sondern
auch immer wichtiger für den täglichen Ablauf. Während noch vor einigen Jahren Computerausfälle
mit einem Lächeln hingenommen wurden, stehen jetzt komplexe Prozesse still, wenn eine wichtige
Netzwerkkomponente ausfällt. Dabei sind die Schutzvorrichtungen für die modernen Systeme extrem
gut ausgebaut. So gibt es auf dem Bereich der Software Schutz über Verschlüsselungen,
Firewall-Technik und Spam-Filter. Auch für den eventuellen Stromausfall werden Vorkehrungen
getroffen. Serverkomponenten werden mit leistungsfähigen USV
an das Stromnetz angeschlossen. Trotzdem kommt es immer wieder zu Ausfällen. Fast ein
viertel aller Hardwareausfälle ist auf Schäden durch Überspannung zurück zu führen.
Einige theoretische Informationen zum Thema Sicherheit befinden sich auf der Seite
Sicherheitsbetrachtung.
Entstehung von Überspannungen
Überspannungen entstehen hauptsächlich durch Blitzentladungen, Schalthandlungen oder elektrostatischen
Entladungen. Dabei treten die Spannungen nur für einen Bruchteil einer Sekunde auf. Sie haben einen
schnellen Anstieg in wenigen Millisekunden bevor sie relativ langsam wieder abfallen.
1. Blitzentladungen bei Gewittern verursachen sehr hohe Überspannungen. Das Entstehen der Überspannung
LEMP ist auf den Ladungsausgleich zwischen Wolke
und Erde zurück zu führen. Die Einkopplung in das elektrische Netz erfolgt selten direkt sondern in der Regel
über
Wege. Durch die extrem hohen Blitzspannungen werden in den Metallteilen der Umgebung von 1500 Metern immer
noch gefährlich hohe Spannungen erzeugt.
2. Unter Schalthandlungen versteht man in diesem Zusammenhang das Schalten leistungsstarker Maschinen im
Stromversorgungsnetz. Bei solchen Vorgängen SEMP
entstehen in den betroffenen Leitungen in wenigen Bruchteilen einer Sekunde sehr hohe Stromänderungen.
Gerade in Leitungsnetzen großer induktiver Verbraucher kommt es zu starken Netzrückwirkungen. Über den
Spannungseingängen anderer, im gleichen Netz angeschossener Geräte, werden diese Überspannungen wirksam.
3. Unter elektrostatischer Entladung ESD versteht man
die Übertragung elektrischer Ladung zwischen Körpern mit unterschiedlichem elektrostatischem Potential
bei Annäherung oder Berührung. So können sich Personen beim gehen über Teppichfußboden elektrisch aufladen
und beim Berühren geerdeter metallischer Gegenstände die Ladung wieder abgeben. Die Ladung ist für den
Menschen nicht gefährlich, reicht aber aus um elektronische Bauteile zu zerstören.
Durch die unterschiedlichen Arten der Entstehung bzw. Einkopplung von Überspannungen kann der Überspannungsschutz
völlig unabhängig vom äußeren Blitzschutz betrachtet werden. Wichtige Teile der EDV-Systeme sollten in jedem Fall gegen
Überspannungen geschützt werden.

Überspannungsschaden am DSL-Modem
Die hochempfindlichen Bauelemente moderner Elektronik sind sehr
störanfällig gegen Überspannungen. Je nach Robustheit der Baulemente kann der Schaden über Bauelemente oder
Geräte hinweg in hintergeschalteten Systemen wirksam werden. In diesem Fall ist der Splitter ohne Schaden
geblieben, während das DSL-Modem einen deutlich sichtbaren Schaden durch Überhitzung erlitten hat.
Da einige Geräte der modernen Netzwerktechnologie schon sehr preiswert zu bekommen sind, macht es
nicht in jedem Fall Sinn, diese Bereiche mit Überspannungsschutz auszurüsten. Die Entscheidung,
welche Systeme geschützt werden sollten, basiert auf 3 Schwerpunkten:
- Anlagenteile, die eine besondere Gefährdung darstellen, sollten geschützt werden. So sind Außenantennen,
lange Datenleitungen und Leitungen in der Nähe von hohen Energieübertragungen besonders gefährdet.
- Systeme die besonders teuer in der Anschaffung sind, sollten immer gegen Überspannung gesichert werden.
Das können Super-Computer, Spezialanfertigungen oder Hochleistungs-Netzwerkrouter sein.
- Unabhängig von Preis und Gefährdung sollten Systeme, deren Funktion von besonderer Bedeutung ist,
gesichert werden. Komponenten, die das Kerngeschäft der Firma bilden oder auch nur die Telefonanlage,
die im Falle eines Ausfalls das tägliche Geschäft extrem behindern.
Genau wie beim Blitzschutz muss auch bei dem Überspannungsschutz darauf geachtet werden, dass alle
Zugänge zum System abgesichert werden. Sobald ein Zugang vergessen wird, treten automatisch dort die
Spannungsdifferenzen auf, die das System zerstören. Neben der Stromversorgung sollte also immer die
Datenanbindung mit in die Betrachtung einbezogen werden.
Bei der Errichtung des Überspannungsschutzes ist es wichtig darauf zu achten, dass die Ableitung der
Überspannung immer gewährleistet ist. Die Ableitung erfolgt immer zum Potentialausgleich des Gebäudes,
der wiederum mit dem Fundamenterder verbunden ist. Da der Schutzleiter der Stromversorgung am
Potentialausgleich angeschlossen ist, wird die Überspannung in vielen Fällen über den Schutzableiter
abgebaut.
Überspannungsschutz
Ein moderner Überspannungsschutz muß zwei Anforderungen gleichzeitig gerecht werden: er muß sehr schnell
auf Überspannungen reagieren und er muß hohe Leistungen an überschüssiger Energie gefahrlos ableiten können.
Es hat sich daher eine zweistufige Schutzschaltung bewährt. In der ersten Stufe arbeiten moderne Halbleiter,
die bei Überspannung im Bereich von wenigen Nanosekunden die elektrische Zuführung kurz schliessen und so
das angeschlossene Gerät sofort schützen. In der zweiten Stufe werden Gas-Ableiter genutzt. Das sind mit
Edelgas gefüllte Kapseln mit zwei eingeführten Elektroden. Sie zünden bei einer bestimmten Überspannung einen
Lichtbogen, über den die überschüssige Energie zur Erde abgeleitet werden können. Nach der Ableitung der
Überspannung erlischt der Lichtbogen und beide Stufen sind sofort wieder einsatzbereit. Weitere Informationen
dazu befinden sich auf der Seite Geräteaufbau.
Hier noch eine wichtige Information, warum externer Überspannungsschutz zusätzlich zum Eigenschutz der
Geräte notwendig ist:
Das Gesetz über die
elektromagnetische Verträglichkeit
von Geräten (EMVG) vom 18.September 1998 behandelt
zwar auch die Störfestigkeit, aber enthält keine Anforderungen an die Zerstörfestigkeit von Geräten. Es
stellt die EMV-Mindestanforderungen dar, die für einen freien Warenverkehr innerhalb der europäischen
Union gelten. Zerstörfestigkeit - also die Fähigkeit elektrischen Beanspruchungen zerstörungsfrei zu
überstehen - ist dagegen ein Qualitätsaspekt der das gesamte Kommunikationsnetz umfasst. Sie wird durch
Überspannungsschutzgeräte erreicht, die widerum Teil der informationstechnischen Ausrüstung sind.
technische Vorgaben
Da der reelle Blitz jedes mal mit völlig unterschiedlichen elektrischen Werten auftritt, hat man
Blitzschutz- und Überspannungsschutz-Adapter anhand eines definierten Prüfstroms definiert. Der
Prüfstrom ist als Impuls mit einem Maximalstrom Imax und der elektrischen Ladung Q definiert
(siehe Bild). Die genaue Definition ist in der DIN-Norm VDE 0185 Teil 1 enthalten.

Definierter Prüfimpuls für Überspannungsschutz
Für Blitzstrom- und Überspannungsableiter sind unterschiedliche Impulse definiert. Der Stromstoß
für Blitzstrom erreicht seinen maximalen Wert nach 10µs. Auf der abfallenden Flanke soll der Wert
nach 350µs auf 50% des Maximalstroms abgefallen sein. Die Ladung ergibt sich aus Strom mal Zeit,
was in der Grafik der Fläche unter der Kurve entspricht. Für Überspannungs-Ableiter ist der
Maximalstrom nach 8µs und der halbe Maximalstrom nach 20µs vorgeschrieben. In den Datenblättern
werden daher die Stromstöße Imax mit dem Zusatz (10/350) oder (8/20) entsprechend des Prüfimpulses
angegeben.
Der maximale Ableit-Stromstoß ist der wichtigste Parameter des Blitzschutz- und Überspannungsschutz-
Adapters. Die weiteren Angaben sind entsprechend dem Einsatzgebiet des Adapters vorgegeben. Neben
der Nennspannung und der maximalen Spannung sollte auch der Nennstrom beachtet werden. Als Beispiel
sollte ein Überspannungsschutz-Adapter für den Stromzugang eine Nennspannung von 230V (AC) und eine
maximale Spannung von 255V angegeben haben. Bei der Angabe von dem Nennstrom von 16A sollten die
geschützten Geräte auch nicht mehr Strom verbrauchen.
Bei dem Blitz steigt der Stoßstrom i der Entladung in Millisekunden auf seinen Maximalwert
von einigen 10 kA an. Entsprechend dem Erdungswiderstand geht der Strom geringfügig langsamer
zurück, wodurch dieser Teil als Langzeitstromstoß bezeichnet wird. (Siehe Diagramm).
Die Ladung Q (Q = i x t) setzt sich aus der Ladung des Blitzstroms QBlitz und der Langzeitladung
Qlang zusammen. Entsprechend der Kurvenform wird sie über Q = ∫i dt berechnet.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
( BSI)
empfiehlt in Ihrem IT-Grundschutzhandbuch
unter Maßnahme M 1.25 eindeutig die Nutzung von geeigneter Überspannungsschutz-Technik. Auch der
VdS
Schadenverhütung hat im Jahr 2005 die Richtlinienen "Risikoorientierter Blitz- und Überspannungsschutz" (VdS 2010:2005-07)
komplett überarbeitet und neu herausgegeben.
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