Fehlerstromschutzschalter
Eine weitere Schutzeinrichtung für das Stromnetz wird durch den
Fehlerstromschutzschalter
realisiert. Er trennt den überwachten
Stromkreis vom restlichen Stromnetz, wenn Strom auf unerlaubtem Weg fließt. Dazu vergleicht der Fehlerstromschutzschalter die hingeleitete mit
der zurückgeleiteten Stromstärke. Wird irgendwo im Stromkreis ein Strom gegen Erde abgeleitet, so ist im Summenstromwandler die
Summe von hin- und zurückfließendem Strom nicht mehr Null. Es entsteht eine Stromdifferenz, die zur Auslösung des Fehlerstromschutzschalters
und damit zur Abschaltung der Stromzufuhr führt.
Der Fehlersrtomschutzschalter wurde 1957 von Gottfried Biegelmeier erfunden
und patentiert.
Einteilung der Schutzeinrichtungen für das Stromnetz:
- Überstromschutz: (G) Dahinter verbirgt sich der Leitungsschutzschalter (LSS), im Allgemeinen als Sicherung bezeichnet. Sobald die Verbraucher im gesicherten Stromkreis mehr Strom beziehen möchten, als das Stromnetz ausgelegt ist, löst der Überstromschutz aus und trennt den Stromkreis ab.
- Überspannungsschutz: (G) Hier wird die Betriebsspannung in Stromkreis überwacht. Sobald eine transiente Überspannung auftritt, wie beispielsweise durch einen nahen Blitzschlag, löst der Überspannungsschutz aus uns leitet die Überspannung zur Erde ab. Der Stromkreis wird nicht abgeschaltet.
- Fehlerstromschutz: (G) Im Normalbetrieb sind hin- und rückfließende Ströme gleich. Sollten die Ströme ungleich werden oder es fließt auf dem Schutzleiter ein Strom, schließt der Fehlerstromschutz auf einen Fehler im Stromkreis und schaltet ab.
Bei einer Kombination von Fehlerstromschutz und Überspannungsschutz wird eine Überspannung immer auch ein Abschalten des
überwachten Stromkreises nach sich ziehen. Der Fehlerstromschutz erkennt die über den Schutzleiter abgeleitete Überspannung
als einen Fehler im System und schaltet darauf hin konsequent ab.
Da der Fehlerstromschutz keinen Überstromschutz enthält, ist zusätzlich zum Fehlerstromschutz immer ein Überstromschutz
vorgeschrieben. Geräte, die beide Schutzarten enthalten, werden als FI/LS-Schalter oder "Personenschutz" bezeichnet. Üblich
ist aber die getrennt Ausführung, vorrangig im Hausanschluss bzw. der Unterverteilung.
Aufbau eines Fehlerstromschutzschalters
Der Fehlerstromschutzschalter basiert auf einem Summen-Stromwandler, der alle zum und vom Verbraucher fließenden Ströme
vorzeichenrichtig addiert. Wird irgendwo im Stromkreis ein Strom gegen Erde abgeleitet, so ist im Summenstromwandler die
Summe von hin- und zurückfließendem Strom ungleich Null. Durch den Differenzstrom wird in der Auslösespule eine Spannung
induziert, die das Relais mit dem Schaltschloss zum Auslösen bringt.
 technischer Aufbau eines Fehlerstromschutzschalters
Mit der am Fehlerstromschutzschalter von vorn zugänglichen Prüftaste kann der Fehlerfall simuliert werden, um die ordnungsgemäße
Funktion regelmäßig zu überprüfen. Durch Drücken der Taste wird eine abgehende Phase über einen geeignet dimensionierten Widerstand
mit dem Neutralleiter vor dem Fehlerstromschutzschalter verbunden und so gewollt ein Fehlerstrom erzeugt, der die Auslösestromstärke
übersteigt. Hersteller empfehlen eine halbjährliche Prüfung. Ortsveränderliche Fehlerstromschutzschalter müssen täglich vor
Arbeitsbeginn auf Funktion geprüft werden.
Dimensionierung
Fehlerstromschutzschalter werden anhand von 3 wesentlichen Parametern unterschieden:
- Schaltvermögen (angegeben in Kiloampere [kA])
- Betriebsstrom (angegeben in Ampere [A])
- Fehlerstrom (angegeben in Milliampere [mA])
Schaltvermögen
Schaltvermögen oder auch Kurzschlussfestigkeit gibt die max. Amperezahl an, bei der ein ausgeschalteter oder ausgelöster
Fehlerstromschutzschalter dem Stromkreis noch unterbrechen kann. Ab einer bestimmten Amperezahl kann ein Lichtbogen zwischen den
geöffneten Kontakten entstehen und so eine entsprechenden Hitzeentwicklung entstehen. Gute Fehlerstromschutzschalter für
private Haushalte haben ein Schaltvermögen von 10kA.
Betriebsstrom
Der Betriebsstrom ist die Stromstärke die ein Fehlerstromschutzschalter dauerhaft führen kann. In privaten Haushalten werden
in der Regel 16A Fehlerstromschutzschalter eingesetzt.
Fehlerstrom (G)
Gibt die Fehlerstromstärke an, aber der ein Fehlerstromschutzschalter auslöst. Um einen Personenschutz zu gewährleisten, muss ein
Fehlerstromschutzschalter spätesten ab einem Fehlerstrom – also der Differenz zwischen abgehendem und wieder eingehendem Strom – von
30 mA auslösen und den Stromkreis unterbrechen. Für Brandschutz ist nur ein Fehlerstrom von 300 mA vorgeschrieben. Zu beachten ist,
dass ein Fehlerstromschutzschalter nicht die Höhe des Fehlerstroms begrenzt. Die Schutzwirkung beruht ausschließlich auf der schnellen
Abschaltung der Stromzufuhr.
Vorschriften
Der Einsatz von Fehlerstromschutzschaltern wird in vielen Ländern im Haushalts- und Industriebereich zumindest für Steckdosen bis 20A
zusätzlich zu dem installierten Überstromschutz.
In Deutschland wird Fehlerstromschutz für Feuchträume und Anlagen im Außenbereich bereits seit 1984 vorgeschrieben. Seit dem 01.06.2007
fordert der Gesetzgeber bis auf wenige Ausnahmen zusätzlich auch für alle anderen Steckdosen bis 20A, die für die allgemeine Verwendung
vorgesehen sind, einen Fehlerstromschutz mit einem Fehlerstrom von maximal 30mA.
Diese Vorschrift wirkt sich extrem bei Stromkreisen
aus, die zusätzlich mit einem Überspannungsschutz ausgerüstet sind. Anlagen, die dauerhaft in Betrieb sein müssen - wie Kühlanlagen,
Sicherheitssysteme und Telekommunikation - würden durch Auftreten von kleinen Überspannungen langfristig abgeschaltet werden.
Praxis
In vielen Fällen ist es verträglich, wenn ein Überspannungsschutz den Fehlerstromschutz auslöst. Sobald immer eine Person vor Ort ist,
solange das System genutzt wird, kann diese Person den Zustand des Systems prüfen und ggf. manuell wieder einschalten. Für alle anderen
Fälle gibt es nur zwei Lösungen:
- Stromkreise aufteilen in Stromkreise mit Überspannungsschutz und Stromkreise mit Fehlerstromschutz
- Installation einer Wiedereinschaltautomatik
Stromkreise aufteilen Wenn man berücksichtigt, dass Überspannungsschutz vorrangig ein Geräteschutz und Fehlerstromschutz vorrangig
ein Personenschutz ist, kann man in vielen Fällen eine sinnvolle Aufteilung finden. Stationär betriebene Geräte, die dauerhaft betrieben
werden, werden nur in seltenen Fällen direkt von Personen berührt. Frei zugängliche Steckdosen in denen mobile Geräte betrieben werden
sollten dagegen mit Fehlerstromschutz versehen werden.
 Möller Wiedereinschaltautomat
Wiedereinschaltautomaten (G)
werden in der Unterverteilung neben den Fehlerstromschutzschaltern platziert. Mit einer kleinen Fahne wird
der Kippschalter des Automaten wieder eingeschaltet. Verschiedene Betriebsarten legen die Anzahl und Abstände zu weiteren Einschaltversuchen
fest. In der Regel werden 1 bis 5 Versuche angeboten. Ein permanentes Wiedereinschalten wird nicht angeboten, weil im tatsächlichen
Fehlerfall - also keine transiente Überspannung - das System dann nur zusätzlich belastet werden würde.
 Schutzeinrichtungen für Steckdosen-Stromkreise
Sicherheit ist immer gegeben: Wenn ein FI-Schutzschalter durch eine Ableitung eines Überspannungsschutzes den Stromkreis abschaltet,
wird der Schutzleiter von ihm nicht getrennt und die Ableitung der Überspannung ist weiterhin ohne Einschränkung gegeben.
Sollten Stromkreise vom zentralen Fehlerstrom getrennt worden sein, um deren dauerhaften Betrieb gewährleisten zu können, sind teilweise auch frei zugängliche
Steckdosen für mobile Geräte vorhanden. Diese können einfach durch den Kopp Personenschutz als Personenschutz
gesichert werden. Er ist als Zwischenstecker ausgelegt und kann vorzugsweise vor Steckdosenleisten eingebunden.
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