Blitzschutz nach VDE
Eine der Hauptursachen für Überspannungen sind Blitzeinschläge. In Deutschland werden pro
Jahr etwa eine Millionen Blitzeinschläge registriert. Besonders wichtige oder gefährdete
Gebäude werden daher mit Blitzschutzsystemen ausgerüstet. Dazu gehört der äußere Blitzschutz
mit seinen Fangleitungen, Ableitern und Erdern, sowie der innere Blitzschutz. Der innere
Blitzschutz umfasst alle Maßnahmen gegen die Auswirkungen des Blitzstroms. Dazu gehören
hauptsächlich der Potentialausgleich und der Überspannungsschutz.
 Zuordnung der Teilbereiche eines Blitzschutzes nach VDE
Wie der Blitzschutz aufgebaut werden muss, ist in der DIN-Blitzschutznorm VDE 0185 beschrieben.
Nach den VDE-Normen wird der Blitzschutz in verschiedene Bereiche eingeteilt. Man benutzt
dazu das Modell eines Hauses und geht von außen nach innen mit der Einteilung der Schutzzonen
vor (siehe Bild 1). Die Zone 0 liegt außerhalb des Gebäudes. Sie wird noch einmal unterteilt in
Zone 0A und Zone 0B, wobei die Zone 0B den Bereich beschreibt, der durch eine Blitzchutz-Fangeinrichtung
abgedeckt ist. Die Zone 1 befindet sich allgemein im Inneren des Gebäudes. Die Zone 2 existiert
nur in komplett abgeschirmten Räumen, wie sie für Technik- oder Serverräume sinnvoll ist. In
der kleinsten Einheit befindet sich die Zone 3. Das sind dann die zu schützenden Systeme selbst
oder Schranksysteme mit der hochwertigen Technik. Schutzmaßnahmen werden immer an den Übergängen
von einer Zone in die nächste Zone notwendig.
In der VDE-Blitzschutznorm ist festgelegt, dass ein äußerer Blitzschutz mit der Erdung und dem
Potentialausgleich des Gebäudes verbunden werden muss. Im Falle eines Einschlags von angenommenen
10.000 Volt wird etwa die Hälfte in das Erdreich abgeleitet. Die andere Hälfte wird kurzzeitig
über den Potentialausgleich in das Haus geleitet. Damit liegen an den Geräten fast 5.000 Volt an.

Einteilung von Blitzschutzzonen an einem Gebäude
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Potentialanhebung nach Blitzeinschlag am Gebäude mit Blitzschutz
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Der Blitzimpuls hat einen extrem starken Anstieg, der einer Frequenz von 10kHz bis 100MHz entspricht.
So verhält sich dieser Impuls bei der Ausbreitung wie eine entsprechend aufmodulierte Frequenz.
Durch diese hohe Frequenz ist der Spannungsabfall auf einer normalen Kupferleitung extrem hoch und
beträgt bis zu mehreren 100kV pro Meter. Die Ausbreitung des Blitzimpulses im Haus ist entsprechend
räumlich begrenzt und wird nur im geringen Maße die Verbraucher über Potentialausgleich und Schutzleiter
erreichen. Stattdessen sollte bei der Installation darauf geachtet werden, dass die Ableitungen des
äußeren Blitzschutzes nicht unbedingt und auf lange Strecken parallel zur inneren Installation verlaufen.
Der Impuls erreicht durch seinen schnellen Anstieg ein starkes Magnetfeld, was in allen nahen Leitern
eine hohe Induktionsspannung hervorruft.
Äußerer Blitzschutz
Die Blitzschutzsysteme sollen bauliche Anlagen vor Brand oder mechanischer Zerstörung und Personen
vor Verletzung oder gar Tod bewahren. Blitzschutzeinrichtungen werden in Schutzklassen I bis IV
definiert. Da es keinen 100%igen Schutz vor Blitzeinschlägen gibt, wird in der höchsten
Schutzklasse I von einer 99%igen Sicherheit ausgegangen. In der Tabelle unten sind die einzelnen
Schutzklassen mit den wichtigsten Parametern angegeben.
Das Blitzschutzsystem besteht aus dem äußeren und dem inneren Blitzschutz. Der äußere Blitzschutz
besteht aus der Fangleitung, den Ableitern und der Verteilung des Blitzstromes in der Erde. Der
innere Blitzschutz umfasst den Potentialausgleich und den Überspannungsschutz der elektrischen Geräte.
Die Fangeinrichtung kann als Fangstab oder Fangleitung ausgelegt sein. Sie muss den Abschmelzungen
am Einschlagpunkt standhalten und den Blitzstrom aufnehmen können. Wegen der hohen Beanspruchung
muss die Fangeinrichtung ausreichend dimensioniert sein.
Auf Grund der Annahme, dass der Durchschlag des Leitblitzes zur entgegenkommenden Fangentladung
vom Schutzobjekt in jede Richtung erfolgen kann, wird ein
Blitzkugelverfahren
zur Anordnung der
Fangeinrichtung genutzt. Dabei wird eine imaginäre Kugel über die zu schützenden Gebäude gerollt.
An den Stellen, an denen die Kugel das Gebäude berührt, muss eine Fangeinrichtung installiert
werden. Der Radius der Kugel ist entsprechend der Schutzklasse definiert.
 Blitzkugelverfahren
Die Ableitungen verbinden die Fangeinrichtung mit dem Erder. Aus elektrischen, termischen und
mechanischen Gründen müssen auch sie mit einen Mindestquerschnitt ausgelegt sein.
Die Ableitung zur Erde sollte so kurz wie möglich verlegt werden. Zur Sicherheit und zur
Verteilung des Stromes sollten mehrere Strompfade zur Erde installiert werden. Entsprechend
der Schutzklasse ist der Mindestabstand von zwei parallelen Ableitern festgelegt.
Die Erdung übernimmt die Ableitung der elektrischen Ladung in das Erdreich. Allgemein
gilt: Je geringer der elektrische Widerstand, desto besser ist die Erdungsanlage. Es gibt
in modernen Gebäuden immer einen
Fundamenterder.
Der Fundamenterder ist bei der Errichtung
des Fundaments angelegt worden und optimal für den Blitzschutz geeignet. Falls an dem zu
schützenden Objekt kein Fundamenterder existiert (z.B. bei frei stehenden Antennenmasten),
können Erder separat angelegt werden. Dafür gibt es entweder Oberflächenerder aus Bandstahl,
die in der Tiefe um einen Meter waagerecht in die Erde eingebracht werden, oder Tiefenerder,
die aus Rund- oder Profilmaterial mindestens 2,5 Meter senkrecht in die Erde geschlagen
werden. Da das Erdermaterial besonders durch Korrosion beansprucht wird, besteht es oft aus
feuerverzinktem Stahl und wird an der Anschlussstelle über dem Erdboden noch mal gesondert
geschützt.
Einteilung der Schutzklassen
| Schutzklasse |
Sicherheit |
max. Blitzstrom |
Radius der Blitzkugel |
Abstand der Ableiter |
| I |
99% |
200 kA |
20 m |
10 m |
| II |
98% |
150 kA |
30 m |
10 m |
III |
97% |
100 kA |
45 m |
15 m |
IV |
97% |
100 kA |
60 m |
20 m |
Materialquerschnitt für Fangeinrichtungen und für Ableitungen
| Material |
Querschnitt Fangeinrichtung |
Querschnitt Ableitung |
| Kupfer |
35 mm2 |
16 mm2 |
| Stahl |
50 mm2 |
50 mm2 |
| Aluminium |
70 mm2 |
25 mm2 |
Innerer Blitzschutz
Der innere Blitzschutz besteht, wie in Bild oben dargestellt, aus dem
Potentialausgleich und
dem Überspannungsschutz. Der Potentialausgleich
ist gesetzlich vorgeschrieben und daher eigentlich in allen Gebäuden Deutschlands vorzufinden. Er
kann aber durch Verschleiß und Korrosion seine Funktion verlieren. Ein funktionierender Potentialausgleich
ist lebenswichtig und immer auch eine notwendige Voraussetzung für den Überspannungsschutz.
 Blitzschutzzonenkonzept für Überspannungsschutz
Die VDE 0185 schreibt an jedem Übergang von einer Blitzschutzzone zur nächsten einen Überspannungsschutz vor. Je nach
Übergang sind die Schutzstufen I (Grobschutz), II (Mittelschutz) und III (Feinschutz) definiert.
 Spannungsabbau an den Schutzelementen
Am Grobschutz wird die
Überspannung auf etwa 4 kV reduziert. Der Mittelschutz reduziert die Überspannung auf 2,5 kV und der Feinschutz auf
1,5 kV. Diese 1,5 kV werden von den modernen Verbrauchern selbst abgebaut. In vielen Fällen kann auf den Mittelschutz
verzichtet werden, sofern der Grobschutz die Überspannung bereits auf 2,5 kV reduziert. Speziell für Datenleitungen ist
oft auch der Grobschutz nicht notwendig. Die Zuleitungen würden auf Grund des geringen Querschnitts die Spannung selbst
abbauen oder einfach verglühen.
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