Wirkung des elektrischen Stroms auf den menschlichen Körper
Der elektrische Strom ist, wie vieles auf der Welt, Fluch und Segen zugleich. Neben den vielfältigenen Aufgaben, für die wir
den Strom vorteilhaft einsetzen können, ist er gleichzeitig auch sehr gefährlich für den menschlichen Körper. Gezielt eingesetzt und in geringem
Mass kann er heilende Wirkungen in der Medizin hervorrufen, wie z.B. bei Reizstrom-Therapie oder zum Reaktivieren des
Herzmuskels (Defribilation). Auf dieser Seite sind nur die gefählichen Auswirkungen des Stroms beschrieben, vor denen
wir uns bestmöglich schützen wollen.
Der elektrische Strom ruft verschiedene Reaktionen im menschlichen Körper hervor, die grob in drei Gruppen eingeteilt
werden können:
- thermische Auswirkungen
- chemische Auswirkungen
- muskelreizende oder lähmende Auswirkungen
Je nach Art des Stromes wirken sich die einzelnen Gruppen intensiver oder schwächer auf den Menschen aus.
Thermische Wirkung
Die Wärmeeinwirkung des elektrischen Stromes führt bei großer Stromstärke an der Ein- und Austrittsstelle zu
Verbrennungen. Dabei kann es durch enstehende Lichtbögen zum Verkohlen der Körperteile kommen als Folge dieser
starken Verbrennungen sind die Nieren überlastet, was zum Tode führt.
Chemische Wirkung
Flüssigkeiten des menschlichen Körpers, also z.B. Schweiß, Speichel, Blut und Zellflüssigkeit sind Elektrolyte,
das heißt, diese leiten den elektrischen Strom besonders gut. Durch die chemische Wirkung des Stromes kann, vor
allem bei längerer Einwirkdauer, das Blut elektrolytisch zersetzt werden. Dadurch kommt es zu schweren Vergiftungen!
Diese Folgeerkrankungen können auch erst nach einigen Tagen auftreten und sind daher besonders tückisch.
Muskelreizende Wirkung
Fast alle menschlichen Organe funktionieren aufgrund elektrischer Impulse, die vom Gehirn ausgehen. So steuern
schwache Impulse von etwa 50mV die Bewegung der Muskeln in unserem Körper. Die Impulse werden dabei vom Gehirn
durch Nerven an die Muskeln geführt. Ist ein Nerv unterbrochen, arbeitet der Muskel nicht mehr richtig. Bei genügend
großem Stromfluss verkrampft ein Muskel. Handelt es sich dabei um die Muskeln in einer Hand, so kann man einen erfassten
Gegenstand nicht mehr loslassen. Ist der Brustkorb betroffen, so tritt Atemstillstand ein. Es kann Herzstillstand
ausgelöst werden oder der geregelte Ablauf der einzelnen Herzmuskelbewegungen wird durcheinander gebracht, sodass
eine ungeordnete Bewegung ohne Pumpwirkung entsteht – das Herzkammerflimmern.
äußere Bedingungen für die Art der Auswikung des elektrischen Stroms auf den Menschen
| Bedingung |
Auswirkung |
| hoher Strom, wie vom Blitzschlag oder Hochspannung |
Thermische Wirkung |
| Gleichstrom, lange Einwirkdauer |
Chemische Wirkung |
| Wechselstrom, Stromimpulse die Muskeln anregen oder lähmen |
Muskelreizende Wirkung |
Die Auswirkung auf den Menschen ist im Wesentlichen abhängig von der Höhe des Stroms, der Art des Stromes (ob
Wechselstrom oder Gleichstrom) und der Dauer der Einwirkung. Je nach der aktuellen Bedingung treten die Auswirkungen
in unterschiedlicher Intensität auf.
Physiologische Wirkungen
In den späten sechziger Jahren begann eine Arbeitsgruppe der International Electrotechnical Commission (IEC) mit
den Arbeiten an einem Report über die Wirkung des elektrischen Stroms auf den menschen. Die Ergebnisse wurden in dem
IEC Report 479 im Jahr 1974 erstmalig vorgestellt und mehrfach überarbeitet.
 Wirkungsbereiche von 50Hz Wechselstrom auf eine erwachsene Person
Zwischen der Größe des für den menschlichen Körper noch ungefährlichen Stromes und der Dauer seiner Einwirkung besteht eine
Beziehung, die nicht geradlinig verläuft: Bei kurzen Einwirkzeiten bleiben vergleichsweise größere Stromstärken ohne schädliche
Auswirkung als bei längerer Einwirkdauer. Jedoch können Stromstärken über 500 mA auch bei kurzen Einwirkzeiten tödlich sein.
- Bereich links der Linie a: Normalerweise keinerlei Auswirkungen und Reaktionen bis zur Wahrnehmungsschwelle.
- Bereich zwischen Linie a und Linie b:Normalerweise keine schädlichen physiologischen Wirkungen bis zur Loslassgrenze.
- Bereich zwischen Linie b und Linie d Normalerweise keine Organschäden zu erwarten. Mit zunehmender Stromstärke und
Zeitdauer der Stromeinwirkung reversible Störung der Reizbildung und Reizleitung im Herzen zu erwarten, einschließlich
Vorhofflimmern und vorübergehendem kurzzeitigen Herzstillstand. Im Bereich längerer Einwirkdauer oberhalb der Loslassgrenze
sind Muskelkontraktionen und Atemschwierigkeiten wahrscheinlich.
- Bereich rechts der Linie d: Herzkammerflimmern wahrscheinlich. Mit zunehmender Stromstärke und Einwirkdauer
pathophysiologische Effekte wie Herzstillstand, Atemstillstand und schwere Verbrennungen zusätzlich zu den Wirkungen
im Bereich 3.
Berechnung der Stromstärke beim Stromfluss durch den Menschen
Ein Strom I kann nur fließen, wenn eine Spannung U ihn durch einen Widerstand R treibt. Die Verknüpfung dieser drei Größen
drückt das Ohmsche Gesetz aus: I = U / R.
 Körperwiderstand
Der elektrische Widerstand des Menschen RK hängt vom Zustand der Haut,
z. B. trocken oder feucht, unverletzt oder verletzt, von der Größe der Spannung und von der Frequenz ab und setzt sich aus
Körperinnenwiderstand RKI und dem Hautwiderstand RÜ1 und RÜ2 zusammen.
RK = RÜ1 + RKI + RÜ2
Bei einem Wechselstrom von 230V / 50Hz und bei Längsdurchströmung von Hand zu Fuß ergibt sich eine Impedanz von etwa:
1000Ω. Mit diesen Werten und mit der Berührungsspannung, die in der Mehrzahl der Fälle bekannt ist, kann die Stromstärke
wie folgt berechnet werden:
I = U / R = 230V / 1000Ω = 0,23A = 230mA
Verglichen mit der Grafik oben zu den Wirkungsbereichen auf erwachsene Personen kann eine Einwirkung bereits ab 10 bis 15ms
bereits tötliche Folgen haben.
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